Interview mit Father John Moyo

Father John, können Sie uns etwas über die Schüler und die Schule erzählen?
Die Schule in Nthalire wurde 2015 von der Kirche in einer sehr trostlosen Gegend gebaut. Das heißt, die nächsten Städte, nicht wirklich Städte, sondern Handelsorte, sind Karonga in 224 km Entfernung, Chitipa in 118 km und in die andere Richtung sind es 160 km nach Rumphi. Wir sind also am Ende der Welt. Und da wir als Kirche dorthin gingen, dachten wir, wir können nicht nur dorthin gehen und Nächstenliebe predigen, ohne die Menschen weiterzuentwickeln.
Also war das erste, dass wir eine Schule gründeten. Natürlich fingen wir mit einer Grundschule an, und dann bauten wir eine weiterführende Schule als Internat. Ein Internat für Jungen und Mädchen, um der Gemeinde dort zu helfen. Denn wenn jemand eine Schulbildung bekommt, hat er zumindest die Chance auf eine Arbeit und darauf, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Um etwas zum Ausgleich dafür zu tun, dass die Menschen in Nthalire in solch einer hoffnungslosen Gegend leben.
Father John, was bedeuten Schulbildung und ein Schulabschluss für die Schüler?
Wissen Sie, in unserer Gegend in Malawi ist es sehr schwer, eine Arbeit zu finden. Wenn Du also eine Arbeit suchst, muss Du wenigstens etwas Schulbildung haben. Deshalb ist Schule so wichtig. Doch um Dich für eine Stelle zu qualifizieren, musst Du so viel wie möglich leisten, um Dich gegen andere durchzusetzen. Es ist schon sehr schwer, überhaupt eine Arbeit zu finden. Mit schlechten Schulleistungen ist es noch schwerer. Deswegen ist Schulbildung in unserer Gegend so wichtig. Ohne sie gibt es keine Zukunft.
Nach welchen Kriterien werden die Schüler für die Stipendien ausgewählt?
Wenn die Schüler in das Internat kommen, bewerten wir normalerweise ihren Hintergrund, woher sie kommen. Haben sie beide Eltern, können die Eltern das Schulgeld bezahlen? Das ist das erste Kriterium nachdem wir schauen. Denn wenn die Regierung Schüler für unsere Schule auswählt, berücksichtigt sie nicht, woher diese kommen. Also kommt es vor, dass neue Schüler auf die Schule kommen, und nach zwei Wochen stellen wir fest, dass sie noch nicht einmal das Schulgeld aufbringen können. Sie haben rein gar nichts. Dann kümmern wir uns um diese Schüler. Welchen Hintergrund haben sie? Und dann teilen wir normalerweise die Patenschaften danach zu, wie arm die Schüler sind. Und versuchen ihnen dadurch zu helfen.
Wer entscheidet über die Auswahl der Schüler?
Wir haben ein Patenschafts-Komitee. Darin sind Repräsentanten der Eltern, der Schulleitung, und drei Lehrer. Derzeit sind es zwei Lehrer und eine Lehrerin. Das sind die Leute, die sich zusammensetzen, nachdem die Schüler in den allerersten zwei Wochen das Schulgeld bezahlen mussten. Dann prüfen sie, warum der eine oder andere nicht bezahlen konnte, schauen sich deren Hintergrund an. Auf diese Weise machen wir das. Wir schauen nicht auf die Leistungen. Denn alle Schüler wurden für die weiterführende Schule ausgewählt. Jeder braucht die Schulbildung. Wir schauen nicht zuerst auf die Leistung, sondern auf den Hintergrund. Können sie das Schulgeld aufbringen? Wenn nicht, versuchen wir ihnen zu helfen.
Ist der religiöse Hintergrund ein Auswahlkriterium für eine Patenschaft? Wählen Sie zum Beispiel nur katholische Schüler aus?
Nein. Wenn die Schüler in die Schule kommen, geben sie Ihre Religion an. Aber wir berücksichtigen das nicht. In Malawi spielt die Religion für die Schulbildung keine Rolle. Würden wir nur Katholiken unterstützen, könnte die Schule sogar geschlossen werden. Wir nehmen Moslems, nicht-Katholiken, jeder ist willkommen. Wenn wir über die Patenschaften entscheiden, schauen wir nach Schülern die arm sind, nicht nach deren religiösem Hintergrund.
Welche Stellung haben die Patenschüler an der Schule, wie werden sie wahrgenommen?
Viele Schüler möchten durch eine Patenschaft unterstützt werden. Aber wir erklären der ganzen Schule, das wissen wir, dass alle arm sind. Und trotzdem gibt es noch Unterschiede. Und viele Schüler wissen sehr wohl, dass einige ihrer Freunde ganz besonders bedürftig sind. Die Patenschüler werden schon als privilegiert angesehen. Und trotzdem, die anderen können das Schulgeld aufbringen, ihre Eltern können sie unterstützen. Aber die Eltern der Patenschüler können das nicht. Die meisten der Empfänger, haben nicht einmal mehr beide Eltern.
Du musst wissen, HIV und AIDS habe auch eine Rolle dabei gespielt, dass einige Schüler Waisen sind. Bei anderen war es so, dass ihre Mütter alleingelassen wurden, als sie schwanger wurden. Weil Nthalire so eine trostlose Gegend ist, liefen die Väter davon um irgendwo Arbeit zu suchen und ließen die Frauen zurück. Diese alleinerziehenden Mütter können das Schulgeld für ihr Kind nicht aufbringen. Das ist eine ziemliche Herausforderung, mit solchen Situationen werden wir konfrontiert. Die anderen Schüler sehen die Konsequenzen, wenn sie mit ihren Freunden zusammen im Schlafsaal schlafen, sehen sie dass manche nicht einmal eine Decke haben, dass sie gar nichts haben. Sie könnten neidisch sein, ja, aber die meisten können es nicht, weil sie auch sehen, wie ihre Freunde leiden.
Was bedeutet eine Patenschaft für einen Schüler und seine Familie?
Normalerweise, wenn ein Schüler eine Patenschaft zugesprochen bekommt, das habe ich selbst oft erlebt, kommen sie und sagen „Danke“. Mit Tränen in den Augen. Sie können es gar nicht glauben, dass jemand ihnen hilft, das Schulgeld zu bezahlen. Es bedeutet so unglaublich viel. Wir hatten Schüler, deren Eltern Sie brachten und sagten, mehr können sie nicht tun. Hier ist der Schüler, er hat den Platz im Internat bekommen, hier ist er oder sie, und die Eltern gehen wieder. Denn zu Hause haben sie gar nichts. Wenn Du Dir diese Situation vor Augen hältst, und dann das Kind erlebt, jemand hat das Schulgeld für mich bezahlt, dann arbeiten sie wirklich ganz hart. Manche schaffen die Leistungen auch nicht, aber Du spürst, tief in ihrem Herzen sind sie sehr, sehr dankbar.
Was wird von den Patenschülern erwartet?
Wir erwarten im Allgemeinen, dass sie sich mehr anstrengen, dass sie bessere Leistungen bringen. Und wir versuchen ihnen beizubringen, selbst anderen Menschen zu helfen, denn ihnen wurde auch geholfen. Dafür haben wir eine Gruppe der Patenschüler gegründet, die von Zeit zu Zeit in die Dörfer gehen und älteren Menschen helfen. Auch gehen sie zum Putzen ins Krankenhaus, oder sie säubern den Marktplatz. Sie müssen einfach auf die eine oder andere Art tatkräftig etwas weitergeben.
Wer überwacht in Nthalire die Verwendung der Gelder?
Wir nutzen eine Bank, dort gibt es ein eigenes Konto für die Patenschaften. Und das Kommitte, das ich vorhin erwähnt habe, wacht darüber. Wenn das Geld auf dem Konto eingeht, gibt es einen Lehrer, denn stellvertretenden Schulleiter, eine sehr verantwortungsbewusste Person, der zusammen mit dem Schulleiter unterschreibt um das Geld abzuheben und als Schulgeld an die Schule zu zahlen. Es ist also nicht nur eine Einzelperson, es ist ein Team, das sich um das Geld für die Patenschaften kümmert.
Was wollen Sie uns über die Schule und die Schüler noch erzählen?
Zuerst, möchte ich Ihnen ganz persönlich danken. Ihr habt uns geholfen, diese Schule zu bauen. Ich möchte dafür danken, das Ihr überhaupt daran gedacht habt, die Schüler, die bedürftigen Schüler zu unterstützen. Und ich möchte appellieren, dass die Schule noch stärker unterstützt wird. Die Schüler und die Schule. Denn wir brauchen mehr Lehrer. Da die Schule so abgelegen ist, wollen viele Lehrer nicht dorthin kommen. Wir müssen mehr Lehrerunterkünfte bauen, so dass wir Lehrer überzeugen können, an die Schule zu kommen.
Was ist Ihr Traum für die Schule?
Am Ende wird diese Schule eine der besten des Landes sein. Ich sage das, weil wir Werte haben, gute Unterkünfte. Wir haben mit dem Team, das wir zusammengestellt haben, gute Disziplin geschaffen, und wir haben nach meiner Erfahrung sehr eifrige Schüler. Sie lernen viel, für Ihre eigene Zukunft und für die Zukunft ihres Landes. Diese Einstellung versuchen wir an der Schule zu vermitteln. Also hoffe ich auf bessere Noten und bessere Leistungen an der Schule.
Eine letzte Frage. Soweit ich weiß ist Malawi eines der ärmsten Länder der Welt und Sie arbeiten in einer der abgelegensten Gegenden. Können Sie schildern, wie weit weg von allem es wirklich ist?
Es stimmt, Malawi ist eines der ärmsten Länder. Wir liegen im Norden, und der Norden wird vernachlässigt, und diese spezielle Gegend wird am stärksten vernachlässigt. Denn die Straßen, um dorthin zu gelangen, wie ich sagte sind es 240 km bis Karonga, 118 km nach Chitipa, die Straßen sind sehr schlecht, vor allem in der Regenzeit. Und genau diesen Menschen zu helfen bedeutet, sie aus dieser trostlosen Gegend auf ein Niveau zu heben, das mit anderen vergleichbar ist.
Danke, Father John.